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Die Reha war wichtig für mich!

Der vorsorglich durchgeführte Coronatest des 38-jährigen Felix B. (Name von der Redaktion geändert) ist positiv. Innerhalb kürzester Zeit verschlechtert sich sein Zustand rapide und macht eine Intensivbetreuung in der Klinik erforderlich. Auch nach seiner Entlassung kämpft er mit Langzeitsymptomen und entscheidet sich deshalb für eine Long COVID Rehabilitation im Zentrum für ambulante Rehabilitation Stuttgart. Dr. med. Klaus Schröder, Chefarzt der Fachabteilung Kardiologie, sprach mit dem Patienten über sein Erleben der Covid 19 Erkrankung und die anschließende Long COVID Rehabilitation im ZAR Stuttgart.


Dr. med. Schröder: Wie ging es Ihnen vor Ihrer Covid 19 Erkrankung -wie waren Sie körperlich und mental drauf?

Patient F. B.: Mir ging es gut – ich war fit, hatte keinerlei Beschwerden

Dr. med. Schröder: Wie begann Ihre Covid 19 Erkrankung?

Patient F. B.: Die Erkrankung war ein Schlag ins Gesicht. Ich testete mich über mehrere Wochen immer jeweils sonntags zur Vorsorge, um in die neue Arbeitswoche zu starten. An einem Sonntag Anfang Mai war der Test plötzlich positiv. Für mich unerwartet, denn ich hatte mich eigentlich gut gefühlt. Mein Zustand verschlechterte sich ganz schnell. Als es schlimmer und schlimmer wurde, kam der Krankenwagen. 

Dr. med. Schröder: Erzählen Sie uns ein wenig vom Krankheitsverlauf

Patient F. B.: Es begann mit Fieber – ich hatte keine Halsschmerzen, keinen Husten. Das Fieber stieg schnell auf 40° und ließ sich weder mit Medikamenten noch mit Wickeln senken. Es blieb immer konstant oben. Dann wurde es mit der Atmung schwieriger – ich konnte einfach nicht mehr gut atmen. Im Krankenwagen wurde mein Sauerstoffgehalt gemessen, der dann nur noch bei 74 lag. Ich kam dann direkt auf die Intensivstation. 

Dr. med. Schröder: Mussten Sie auf der Intensivstation direkt beatmet werden?

Patient F. B.:Ja, ich musste beatmet werden. Die sogenannte High-Flow Sauerstofftherapie, die ich über die Nasenbrille erhielt, hatte nichts mehr gebracht. Mittwochs, also rund 3 Tage nach dem Start, erhielt ich dann die große Maske und sollte ins Koma versetzt werden. Das machte mir richtig Angst. Man überlegt, ob man wohl wieder aus dem Koma erwacht und was da alles passieren kann. 
Zum Glück haben meine Symptome darauf gepasst, dass man mir ein Rheumamittel verabreichen konnte. Bei diesem Rheumamittel gibt es eine 50/50 Chance der Besserung. Bei manchen wirkt es, bei manchen nicht. Bei mir hat es Gott sei Dank gewirkt und nach dem vierten Tag ging es wieder bergauf. Die Atmung und der Sättigungsgehalt wurden besser. Das ging dann noch etwa sechs Tage – also insgesamt war ich ca. 12 Tage auf Intensiv. Dann wurde es gut. 

Dr. med. Schröder: Wie geht es Ihnen heute im Vergleich zu der Zeit der Erkrankung bzw. auch im Vergleich zu der Zeit vor der Erkrankung?

Patient F. B.: Ich bin noch nicht auf dem gleichen Level, aber es geht mir gut. Die Reha hat mir da schon viel geholfen, die Atmung ist besser, aber ich bin noch nicht auf dem gleichen Zustand wie vor der Erkrankung.

Dr. med. Schröder: Wer hat Sie auf die Möglichkeit einer Reha hingewiesen – wie sind Sie auf das ZAR gekommen?

Patient F. B.: Das Krankenhaus. Weil ich nicht weg von meiner Familie wollte riet mir das Krankenhaus zu einer ambulanten Rehabilitation und gab mir den Kontakt zum ZAR.  

Dr. med. Schröder: Was haben Sie von der Reha erwartet – was waren Ihre Ziele?

Patient F. B.: Meine Ziele waren, dass die Atmung wieder besser wird, dass solche alltäglichen Dinge wie Treppensteigen wieder ohne Probleme möglich sind. Ich kann nun wieder Treppensteigen und eine Kiste Wasser aus der Garage hoch in die Wohnung tragen. Das konnte ich vor der Reha nicht. Selbst meine kleine Tochter konnte ich nicht mehr auf dem Arm halten. Das geht jetzt alles wieder, was mir sehr viel bedeutet. Die Reha hat mir daher sehr viel gebracht.

Dr. med. Schröder: Welche Therapieangeboten, die wir Ihnen hier machten haben Ihnen aus Ihrer Sicht viel gebracht – welche hätten Sie eher vernachlässigt. 

Patient F. B.: Mir haben die Atemtherapie, das Kardiotraining und die Medizinische Trainingstherapie bzw. Sport im Allgemeinen sehr viel gebracht. Eigentlich war alles richtig gut für mich. Bis auf eines - die Gusstherapie war nicht so meines, darauf wurde aber umgehend reagiert und sie wurde durch ein anderes Angebot ersetzt. 

Dr. med. Schröder: Brauchten Sie psychologische Unterstützung, um mit dem Ganzen klarzukommen?

Patient F. B.: Ja – die Gespräche mit der Psychologin haben mir gutgetan. Es ist sehr schwierig, wenn man aus heiterem Himmel einfach mal so auf die Intensivstation kommt. Man weiß nicht weiter, macht sich Gedanken darüber, was passieren wird. Ich hatte nach der Erkrankung Schlafstörungen. Die Gespräche haben mir schon weitergeholfen. 

Dr. med. Schröder: Das heißt das Therapieprogramm, welches wir Ihnen erstellt hatten, war das, was Sie sich erhofft hatten?

Patient F. B.: Definitiv! Die verschiedenen Therapien passten bestens für mich und haben mir weitergeholfen. 

Dr. med. Schröder: Heißt das, dass Sie jedem COVID 19 Erkrankten empfehlen würden, in eine Rehabilitation zu gehen – egal ob nun stationär oder ambulant?

Patient F. B.: Auf jeden Fall. Ich habe einen Bekannten, der genau das Gleiche erlitten hat wie ich, nur etwas später. Ich habe ihm nahegelegt eine Rehabilitation zu machen, weil es mir sehr viel gebracht hat. Und ich rate jedem zu einer Rehabilitation!

Dr. med. Schröder: Schön ist, dass die Kostenträger Long COVID als eine Erkrankung akzeptiert haben. Bislang gab es das als Rehagrund noch nicht, nun aber ist die Genehmigung möglich.  

Dr. med. Schröder: Es freut mich, dass Sie mit Ihrer Rehabilitation so zufrieden sind. Haben Sie noch Anregungen, die für uns und die Therapie anderer Patienten wichtig sein könnte. 

Patient F. B.: Nein, ich habe keine Ergänzungen. Ich finde es so, wie es bei mir abgelaufen ist super. Alle waren sehr nett und ich war bestens zufrieden. 

Dr. med. Schröder: Was machen Sie beruflich?

Patient F. B.: Ich bin Automobilmechaniker

Dr. med. Schröder: Trauten Sie sich diese Arbeit wieder zu?

Patient F. B.: Davor hatte ich schon Respekt, auch wegen der Konzentrationsfähigkeit – ich arbeite viel über Kopf. Es war daher gut, dass in der Reha auch das Thema der Wiedereingliederung in den Beruf besprochen wurde.

Dr. med. Schröder: Ich bedanke mich sehr herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Gesundheit. Wir haben Sie hier gerne begleitet und sind froh, dass wir Long COVID Patienten in unseren ambulanten Rehazentren in ganz Deutschland jeweils an ihrem Heimatort rehabilitieren dürfen. Mit unserem langjährigen Reha-Know-how können wir dazu beitragen, dass sich Long COVID Patienten wieder stabilisieren – egal welcher Art und wie ausgeprägt die Symptome sind. 

Dr. med. Schröder: Alles Gute Ihnen.

Patient F. B.: Vielen Dank! 

 

> Informationen zur Reha mit Long COVID-Symptomen finden Sie auch hier!