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Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, bei der nicht nur ein einzelner Knochen betroffen ist, sondern das gesamte Knochensystem. Sie zeichnet sich durch eine verringerte Knochenmasse und eine Verschlechterung der mikroarchitektonischen Struktur des Knochengewebes aus. Diese Veränderungen führen zu einer reduzierten Knochenfestigkeit und erhöhen das Risiko von Knochenbrüchen, selbst bei geringen Belastungen.
Laut Krankenkassendaten sind etwa 14% der Versicherten in Deutschland betroffen, davon etwa 24% Frauen und 6% Männer. Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer, insbesondere nach der Menopause. Das Risiko steigt mit dem Alter, wobei fast jede zweite Frau über 70 betroffen ist. Auch bei Männern nimmt die Häufigkeit im Alter zu, bleibt aber geringer. In detaillierten Studien Auswertungen zeigt ein Anstieg der Osteoporosehäufigkeit von 15% bei Frauen im Alter zwischen 50-60 Jahren auf 45% bei über 70-Jährigen. Bei gleichaltrigen Männern stiegen die entsprechenden Häufigkeiten von 2,4% auf 17%.
Die gute Nachricht ist: Osteoporose ist heute gut diagnostizierbar und behandelbar. Besonders wichtig ist jedoch die Vorbeugung (Prävention), um das Auftreten der Erkrankung möglichst zu vermeiden. Besonders die Knochendichtemessung spielt eine entscheidende Rolle bei der Früherkennung der Krankheit. Durch eine kalziumreiche Ernährung, ausreichende Vitamin-D-Zufuhr sowie regelmäßige körperliche Aktivität, einschließlich Krafttraining, lässt sich das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, deutlich verringe
Um zu verstehen, wie Osteoporose entsteht, muss zunächst der Aufbau und die Funktion des Knochens betrachtet werden. Der menschliche Knochen besteht aus einer dünnen Knochenhaut (Periost), der festen Rindenschicht (Kortikalis) als robuster äußerer Begrenzung und dem inneren schwammartigen Knochengewebe (Spongiosa), welches mit seinen feinen Knochenbälkchen an die Belastungslinien des jeweiligen Knochens angepasst ist und diesen von innen stützt. Außerdem beherbergt die Spongiosa die blutbildenden Zellen des Knochenmarks.
Wichtig ist, nun zu verstehen, dass es sich beim menschlichen Knochen nicht um totes, rein mineralisches Material handelt, sondern um lebendiges Gewebe, das stark durchblutet ist und eine hohe Stoffwechselaktivität besitzt. Bis ins hohe Alter findet ein ständiger Umbau des Knochens statt. In diesem Zuge erfolgen nicht nur ein Ersatz von altem Knochengewebe und Reparaturen nach Verletzungen, der Knochen passt sich so auch geänderten Belastungen an, z.B. bei einer O-Bein-Entwicklung im Zuge eines Kniegelenkverschleißes. Darüber hinaus dient der Knochen dem Gesamtorganismus bei Mangelzuständen auch als Mineralienspeicher, v.a. Calcium ist hier gefragt.
Die Entstehung einer Osteoporose ist meist das Ergebnis verschiedener Faktoren, die das empfindliche Gleichgewicht zwischen Knochenauf- und -abbau stören. Die folgenden Ursachen treten besonders häufig auf:
Für den Auf- und Abbau des Knochens sind verschiedene Zellen verantwortlich:
Der Prozess der Knochenerneuerung (Remodeling) ist der Dreh- und Angelpunkt bei der Entstehung der Osteoporose. Eine negative Knochenbilanz kann durch drei verschiedene Störungen im Erneuerungsprozess entstehen:
Ein gesundes Gleichgewicht zwischen diesen beiden Prozessen ist wichtig, um starke Knochen zu erhalten. Bei Osteoporose überwiegt der Abbau der Knochen, was zu einer Abnahme der Knochendichte und einer erhöhten Bruchgefahr führt. Eine Kombination aus gesunder Ernährung, ausreichend Kalzium und Vitamin D sowie regelmäßiger körperlicher Aktivität, insbesondere Krafttraining, kann helfen, den Knochenabbau zu verlangsamen und das Risiko für Knochenbrüche zu senken.
Osteoporose betrifft vor allem den spongiösen Knochen, der sich im Inneren des Knochens befindet und schneller abgebaut wird als die äußere Schicht, die Kortikalis. Der kortikale Knochen ist sehr dicht, zu 90% kalzifiziert und wird langsam umgebaut (ca. 2,5% pro Jahr). Der spongiöse Knochen hingegen ist feingliedrig, hat eine große Oberfläche und wird schneller umgebaut (ca. 25% pro Jahr). Besonders anfällig sind Knochen mit einem hohen Anteil an Spongiosa:
Osteoporose wird häufig als 'schleichende Krankheit' bezeichnet, da sich meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium konkrete Beschwerden zeigen. Die Erkrankung kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Das Hauptmerkmal von Osteoporose ist die erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche, die oft mit Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit einhergehen. Diese Brüche, besonders im Bereich der Hüfte und der Wirbelsäule, können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Hüftfrakturen und Wirbelbrüche stehen bei Osteoporose im Vordergrund. Das Risiko für hüftnahe Brüche steigt bei Menschen zwischen 50 und 90 Jahren um das 2- bis 4-fache pro Lebensjahrzehnt, während Wirbelbrüche sich in diesem Zeitraum etwa verdoppeln. Ein 50-jähriger Mann hat eine Wahrscheinlichkeit von 20,2%, im Laufe seines Lebens eine osteoporotische Fraktur zu erleiden, während das Risiko für eine gleichaltrige Frau bei 51,3% liegt. Mit diesen Frakturen geht auch ein erhöhtes Sterberisiko einher, besonders im fortgeschrittenen Alter.
Ein sichtbares Zeichen der Osteoporose kann die Abnahme der Körpergröße sein, die durch das sogenannte Einsinken (Sinterung) der Wirbelkörper entsteht. Dies führt oft zu einer vermehrten Rundrückenbildung.
Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die die Entstehung von Osteoporose und das Risiko für osteoporotische Knochenbrüche erhöhen. Diese werden in drei Hauptkategorien unterteilt:
Bewegungsmangel: Zu wenig körperliche Aktivität schwächt die Knochen, da sie nicht ausreichend belastet werden
Stürze ohne erkennbare Ursache: Wiederholte Stürze können das Risiko für Knochenbrüche deutlich erhöhen
Nikotin- und Alkoholmissbrauch: Beide beeinträchtigen die Knochengesundheit
Untergewicht (BMI < 20 kg/m²) oder starkes Übergewicht: Beide extreme Gewichtszustände können den Knochenstoffwechsel stören
Mangelernährung: Unzureichende Aufnahme von Nährstoffen, insbesondere Kalzium und Vitamin D, führt zu schwachen Knochen
Geschlecht und Alter: Frauen, insbesondere nach der Menopause, haben ein höheres Risiko. Auch das Alter ist ein bedeutender Faktor
Familiäre Veranlagung: Wenn Eltern Knochenbrüche, insbesondere Oberschenkelhalsfrakturen, haben, steigt das Risiko
Hormonelle Veränderungen: Niedrige Östrogen- oder Testosteronspiegel begünstigen den Knochenschwund
Schwangerschaft und Stillzeit: Hier kommt es zu einem erhöhten Kalziumbedarf, der, wenn nicht gedeckt, die Knochen schwächen kann
Einige Medikamente können den Knochenabbau beschleunigen oder das Risiko von Stürzen erhöhen.
In vielen Fällen gibt es Überschneidungen zwischen den Grunderkrankungen und den Medikamenten, die zu ihrer Behandlung eingesetzt werden. Dies verstärkt das Risiko zusätzlich.
Die Diagnosestellung der Osteoporose ist kein rein messtechnischer Vorgang. Der klinische Zustand der Patient*innen ist immer der Ausgangspunkt. Die Einleitung einer Osteoporose-Basisdiagnostik erfolgt in Abwägung der Wahrscheinlichkeit für das Auftreten osteoporotischer Frakturen:
Eine Osteoporose-Diagnose wird in folgenden Fällen empfohlen:
Alternative Knochendichtemessungen wie Q-CT und Ultraschall werden laut Leitlinie nicht für die primäre Diagnostik empfohlen.
Bei der Auswertung der Knochendichtemessung ist nicht der absolute Messwert entscheidend. Stattdessen wird der gemessene Wert mit den durchschnittlichen Werten von jungen, gesunden Erwachsenen (um die 30 Jahre) verglichen. Dieser Vergleichswert wird als T-Wert bezeichnet. Zusammen mit den individuellen Risikofaktoren hilft der T-Wert zu entscheiden, ob neben allgemeinen vorbeugenden Maßnahmen auch eine medikamentöse Therapie erforderlich ist.
Die Vorbeugung (Prophylaxe) von Osteoporose zielt darauf ab, die beeinflussbaren Risikofaktoren zu minimieren und den Knochenabbau zu verlangsamen. Es gibt mehrere Maßnahmen, die helfen können, das Risiko für Knochenbrüche zu verringern:
Behandlung von Grunderkrankungen: Es ist wichtig, bestehende Erkrankungen, die Osteoporose begünstigen können, optimal zu behandeln. Dadurch lässt sich das Risiko für Knochenbrüche deutlich reduzieren.
Überprüfung von Medikamenten: Medikamente, die das Risiko für Frakturen erhöhen, sollten regelmäßig überprüft werden. Der Nutzen dieser Medikamente muss gegen die Risiken abgewogen werden. Wenn nötig, kann der Arzt oder die Ärztin Alternativen empfehlen.
Durch eine Kombination aus der Behandlung von Grunderkrankungen, regelmäßiger Bewegung, einer angepassten Ernährung und einem gesunden Lebensstil können die Risiken für osteoporotische Frakturen erheblich gesenkt werden.
Die Behandlung von Osteoporose umfasst zunächst die konsequente Umsetzung der bereits genannten vorbeugenden Maßnahmen. Darüber hinaus unterscheidet man zwischen der Behandlung bereits eingetretener Frakturen und der Behandlung der systemischen Skeletterkrankung.
Frakturen, die infolge der Osteoporose entstehen, erfordern eine spezifische Versorgung, da die Knochenstruktur geschwächt ist. Hier liegt der Fokus auf der raschen Mobilisierung der Patient*innen und der Stabilisierung des Knochens. Dabei muss die langsamere Knochenbruchheilung bei der Behandlungsplanung berücksichtigt werden.
Osteoporose selbst wird durch Medikamente und weitere Maßnahmen behandelt, um den Knochenabbau zu verlangsamen und die Knochendichte zu erhöhen. Wenn eine andere Erkrankung als mögliche Ursache der Osteoporose identifiziert wird, sollte diese rasch abgeklärt und behandelt werden.
Es stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, um die Knochen zu stärken und den Abbau zu hemmen:
Die Entscheidung zur medikamentösen Therapie basiert nicht allein auf dem Ergebnis der Knochendichtemessung (DXA) und dem Vorliegen von Frakturen:
Die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung wird regelmäßig überprüft, um sicherzustellen, dass die Therapie den gewünschten Erfolg bringt und Nebenwirkungen vermieden werden:
Die Rehabilitation spielt eine zentrale Rolle in der Behandlung der Osteoporose, sowohl vorbeugend als auch nach bereits eingetretenen Frakturen. Sie umfasst ein ganzheitliches Behandlungskonzept, das auf die individuellen Bedürfnisse der Patient*innen abgestimmt wird.
Die ambulante Rehabilitation bietet besondere Vorteile, da Training und Therapie direkt im gewohnten Umfeld umgesetzt werden können. Die Patient*innen bleiben in ihrer vertrauten Umgebung und können das Gelernte unmittelbar in ihren Alltag integrieren. Die Therapiezeiten lassen sich flexibel gestalten, und Angehörige können bei Bedarf in den Rehabilitationsprozess einbezogen werden.
Die Bewegungstherapie bildet das Kernstück der Rehabilitation. Hier werden individuell angepasste Kraft- und Ausdauerübungen mit Koordinations- und Gleichgewichtstraining kombiniert. Besonderer Wert wird auf eine korrekte Haltung und gelenkschonende Bewegungsabläufe gelegt. Die Übungen werden dabei schrittweise in ihrer Intensität gesteigert und kontinuierlich an die Fortschritte der Patient*innen angepasst.
Das Rehabilitationsprogramm umfasst verschiedene, aufeinander abgestimmte Therapieformen:
Der Rehabilitationsprozess gliedert sich in drei Phasen:
Die Rehabilitation bei Osteoporose ist damit ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept der Behandlung. Durch die gezielte Kombination verschiedener Therapieformen und die Integration in den Alltag können nachhaltige Verbesserungen erreicht werden. Regelmäßige Kontrollen und bei Bedarf Auffrischungskurse unterstützen die langfristige Fortsetzung der Aktivitäten.
Die Zentren für ambulante Rehabilitation (ZAR) sind deutschlandweit für Sie da. In unseren modernen Einrichtungen bieten wir Ihnen eine umfassende ambulante Rehabilitation bei Osteoporose. Das Angebot umfasst neben der Rehabilitation auch spezielle Nachsorgeprogramme sowie physiotherapeutische und ergotherapeutische Behandlungen. Dabei profitieren Sie von der Kombination aus professioneller Therapie und der Nähe zu Ihrem Zuhause.