Osteoporose

Osteoporose Reha- & Therapiewissen:
Symptome, Ursachen sowie effektive Therapie- und Behandlungsansätze

Effektive Strategien und moderne Therapien zur Verbesserung der Lebensqualität bei Osteoporose.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Osteoporose?

Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, bei der nicht nur ein einzelner Knochen betroffen ist, sondern das gesamte Knochensystem. Sie zeichnet sich durch eine verringerte Knochenmasse und eine Verschlechterung der mikroarchitektonischen Struktur des Knochengewebes aus. Diese Veränderungen führen zu einer reduzierten Knochenfestigkeit und erhöhen das Risiko von Knochenbrüchen, selbst bei geringen Belastungen.

Laut Krankenkassendaten sind etwa 14% der Versicherten in Deutschland betroffen, davon etwa 24% Frauen und 6% Männer. Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer, insbesondere nach der Menopause. Das Risiko steigt mit dem Alter, wobei fast jede zweite Frau über 70 betroffen ist. Auch bei Männern nimmt die Häufigkeit im Alter zu, bleibt aber geringer. In detaillierten Studien Auswertungen zeigt ein Anstieg der Osteoporosehäufigkeit von 15% bei Frauen im Alter zwischen 50-60 Jahren auf 45% bei über 70-Jährigen. Bei gleichaltrigen Männern stiegen die entsprechenden Häufigkeiten von 2,4% auf 17%.

Die gute Nachricht ist: Osteoporose ist heute gut diagnostizierbar und behandelbar. Besonders wichtig ist jedoch die Vorbeugung (Prävention), um das Auftreten der Erkrankung möglichst zu vermeiden. Besonders die Knochendichtemessung spielt eine entscheidende Rolle bei der Früherkennung der Krankheit. Durch eine kalziumreiche Ernährung, ausreichende Vitamin-D-Zufuhr sowie regelmäßige körperliche Aktivität, einschließlich Krafttraining, lässt sich das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, deutlich verringe

Entstehung und Ursachen von Osteoporose

Um zu verstehen, wie Osteoporose entsteht, muss zunächst der Aufbau und die Funktion des Knochens betrachtet werden. Der menschliche Knochen besteht aus einer dünnen Knochenhaut (Periost), der festen Rindenschicht (Kortikalis) als robuster äußerer Begrenzung und dem inneren schwammartigen Knochengewebe (Spongiosa), welches mit seinen feinen Knochenbälkchen an die Belastungslinien des jeweiligen Knochens angepasst ist und diesen von innen stützt. Außerdem beherbergt die Spongiosa die blutbildenden Zellen des Knochenmarks.

Wichtig ist, nun zu verstehen, dass es sich beim menschlichen Knochen nicht um totes, rein mineralisches Material handelt, sondern um lebendiges Gewebe, das stark durchblutet ist und eine hohe Stoffwechselaktivität besitzt. Bis ins hohe Alter findet ein ständiger Umbau des Knochens statt. In diesem Zuge erfolgen nicht nur ein Ersatz von altem Knochengewebe und Reparaturen nach Verletzungen, der Knochen passt sich so auch geänderten Belastungen an, z.B. bei einer O-Bein-Entwicklung im Zuge eines Kniegelenkverschleißes. Darüber hinaus dient der Knochen dem Gesamtorganismus bei Mangelzuständen auch als Mineralienspeicher, v.a. Calcium ist hier gefragt.

Die Entstehung einer Osteoporose ist meist das Ergebnis verschiedener Faktoren, die das empfindliche Gleichgewicht zwischen Knochenauf- und -abbau stören. Die folgenden Ursachen treten besonders häufig auf:

  • Hormonelle Veränderungen: Besonders bei Frauen nach der Menopause sinkt der Östrogenspiegel, was den Knochenabbau beschleunigt. Auch Männer sind betroffen, wenn der Testosteronspiegel im Alter sinkt.
  • Kalzium- und Vitamin-D-Mangel: Kalzium ist entscheidend für den Aufbau starker Knochen. Ein Mangel führt dazu, dass der Körper Kalzium aus den Knochen entzieht. Vitamin D hilft dabei, Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen und in die Knochen einzulagern. Ein Mangel an Vitamin D schwächt daher die Knochen.
  • Bewegungsmangel: Knochen reagieren auf Belastung, indem sie stärker werden. Ohne ausreichende Bewegung, insbesondere Krafttraining oder Muskelaufbautraining, verlieren die Knochen an Festigkeit.
  • Altersbedingter Knochenabbau: Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich der Aufbau von neuem Knochengewebe, während der Abbau weiterhin stattfindet. Dies führt zu Knochenschwund und einer geringeren Knochendichte.

Für den Auf- und Abbau des Knochens sind verschiedene Zellen verantwortlich:

  • Osteoklasten: Körpereigene „Fresszellen" - bauen alte Knochensubstanz ab. Sie entstehen aus Zellen des Knochenmarks. Östrogen (weibliches Geschlechtshormon) hemmt die Osteoklasten
  • Osteoblasten: Bauen neue Knochen auf (Synthese von Knochenmatrix). Sie haben ebenfalls Östrogenrezeptoren
  • Osteozyten: Entstehen aus Osteoblasten und werden in den Knochen eingebaut
  • Endostzellen: Bedecken die Oberfläche des Knochens und wirken als eine Art Schutzschicht

Der Prozess der Knochenerneuerung (Remodeling)

Der Prozess der Knochenerneuerung (Remodeling) ist der Dreh- und Angelpunkt bei der Entstehung der Osteoporose. Eine negative Knochenbilanz kann durch drei verschiedene Störungen im Erneuerungsprozess entstehen:

  • Vermehrte Aktivität der Osteoklasten bei normalen Osteoblasten („High Turnover"): Die Knochen abbauenden Zellen sind in ihrer Aktivität gesteigert und bauen den Knochen schneller ab, als die normal arbeitenden Knochen aufbauenden Zellen ihn wieder aufbauen können.
  • Normale Aktivität der Osteoklasten bei verminderter Aktivität der Osteoblasten („Low Turnover"): Die Knochen aufbauenden Zellen sind in ihrer Aktivität reduziert und können den normal ausgeprägten Knochenabbau nicht ausgleichen.
  • Verminderte Aktivität beider Zellarten („Knochenatrophie"): Sowohl die Knochen abbauenden als auch die Knochen aufbauenden Zellen sind in ihrer Aktivität reduziert. Der gesamte Stoffwechsel des Knochens verlangsamt sich, wodurch das Knochengewebe altert und an Leistungsfähigkeit verliert.

Faktoren, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen

  • Hormone wie Parathormon, Kalzitonin, Östrogen, Schilddrüsenhormone, Insulin, Wachstumshormon und Kortison spielen eine wichtige Rolle im Knochenstoffwechsel.
  • Vitamine, insbesondere Vitamin D, aber auch Vitamin K, C, B6 und A, sind entscheidend für die Knochengesundheit.
  • Zytokine, spezielle Regulatorproteine, die die Signalübertragung zwischen Zellen steuern

Ein gesundes Gleichgewicht zwischen diesen beiden Prozessen ist wichtig, um starke Knochen zu erhalten. Bei Osteoporose überwiegt der Abbau der Knochen, was zu einer Abnahme der Knochendichte und einer erhöhten Bruchgefahr führt. Eine Kombination aus gesunder Ernährung, ausreichend Kalzium und Vitamin D sowie regelmäßiger körperlicher Aktivität, insbesondere Krafttraining, kann helfen, den Knochenabbau zu verlangsamen und das Risiko für Knochenbrüche zu senken.

Welche Knochen sind besonders betroffen?

Osteoporose betrifft vor allem den spongiösen Knochen, der sich im Inneren des Knochens befindet und schneller abgebaut wird als die äußere Schicht, die Kortikalis. Der kortikale Knochen ist sehr dicht, zu 90% kalzifiziert und wird langsam umgebaut (ca. 2,5% pro Jahr). Der spongiöse Knochen hingegen ist feingliedrig, hat eine große Oberfläche und wird schneller umgebaut (ca. 25% pro Jahr). Besonders anfällig sind Knochen mit einem hohen Anteil an Spongiosa:

  • Wirbelsäule: Etwa 75% der Knochenmasse besteht aus Spongiosa
  • Hüftgelenk: Der Anteil an Spongiosa liegt zwischen 50-75%
  • Handgelenk: Hier macht die Spongiosa etwa 25% aus
  • Unterarmschaft: Hier beträgt der Anteil nur etwa 5%

Symptome der Osteoporose

Osteoporose wird häufig als 'schleichende Krankheit' bezeichnet, da sich meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium konkrete Beschwerden zeigen. Die Erkrankung kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Das Hauptmerkmal von Osteoporose ist die erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche, die oft mit Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit einhergehen. Diese Brüche, besonders im Bereich der Hüfte und der Wirbelsäule, können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Hüftfrakturen und Wirbelbrüche stehen bei Osteoporose im Vordergrund. Das Risiko für hüftnahe Brüche steigt bei Menschen zwischen 50 und 90 Jahren um das 2- bis 4-fache pro Lebensjahrzehnt, während Wirbelbrüche sich in diesem Zeitraum etwa verdoppeln. Ein 50-jähriger Mann hat eine Wahrscheinlichkeit von 20,2%, im Laufe seines Lebens eine osteoporotische Fraktur zu erleiden, während das Risiko für eine gleichaltrige Frau bei 51,3% liegt. Mit diesen Frakturen geht auch ein erhöhtes Sterberisiko einher, besonders im fortgeschrittenen Alter.

Ein sichtbares Zeichen der Osteoporose kann die Abnahme der Körpergröße sein, die durch das sogenannte Einsinken (Sinterung) der Wirbelkörper entsteht. Dies führt oft zu einer vermehrten Rundrückenbildung.

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung von Osteoporose?

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die die Entstehung von Osteoporose und das Risiko für osteoporotische Knochenbrüche erhöhen. Diese werden in drei Hauptkategorien unterteilt:

Allgemeine Risikofaktoren

  • Bewegungsmangel: Zu wenig körperliche Aktivität schwächt die Knochen, da sie nicht ausreichend belastet werden

  • Stürze ohne erkennbare Ursache: Wiederholte Stürze können das Risiko für Knochenbrüche deutlich erhöhen

  • Nikotin- und Alkoholmissbrauch: Beide beeinträchtigen die Knochengesundheit

  • Untergewicht (BMI < 20 kg/m²) oder starkes Übergewicht: Beide extreme Gewichtszustände können den Knochenstoffwechsel stören

  • Mangelernährung: Unzureichende Aufnahme von Nährstoffen, insbesondere Kalzium und Vitamin D, führt zu schwachen Knochen

  • Geschlecht und Alter: Frauen, insbesondere nach der Menopause, haben ein höheres Risiko. Auch das Alter ist ein bedeutender Faktor

  • Familiäre Veranlagung: Wenn Eltern Knochenbrüche, insbesondere Oberschenkelhalsfrakturen, haben, steigt das Risiko

  • Hormonelle Veränderungen: Niedrige Östrogen- oder Testosteronspiegel begünstigen den Knochenschwund

  • Schwangerschaft und Stillzeit: Hier kommt es zu einem erhöhten Kalziumbedarf, der, wenn nicht gedeckt, die Knochen schwächen kann

Risikofaktoren durch bestehende Grunderkrankungen

  • Endokrinologische Erkrankungen, wie Cushing-Syndrom und erhöhte Kortisolwerte, Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose), Störungen der Geschlechtshormone (Hypogonadismus), Überfunktion der Nebenschilddrüse (Primärer Hyperparathyreoidismus) oder Wachstumshormonmangel bei Hypophyseninsuffizienz
  • Diabetes mellitus Typ 1 und 2: Beide Formen von Diabetes können den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen
  • Rheumatologische Erkrankungen, wie Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) oder Systemischer Lupus Erythematodes
  • Magen-Darm-Erkrankungen, wie Magenoperationen (B-II-Magenresektion oder Magenentfernung), Zöliakie oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Neurologische Erkrankungen, wie Epilepsie, Alzheimer, Parkinson, Schizophrenie oder Schlaganfall (Apoplektischer Insult)
  • Weitere Erkrankungen, die Risikofaktoren darstellen können: Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Besondere Formen von Bluterkrankungen (Monoklonale Gammopathie), Alkoholische Lebererkrankung, Chronische Lungenerkrankungen (COPD) oder Magersucht (Anorexia nervosa)

Risikofaktoren durch medikamentöse Therapien

Einige Medikamente können den Knochenabbau beschleunigen oder das Risiko von Stürzen erhöhen.

  • Glukokortikoide (Kortison): Diese Medikamente werden oft langfristig eingesetzt und können den Knochenstoffwechsel stören
  • Aromatasehemmer: Diese werden bei der Brustkrebsbehandlung verwendet und senken den Östrogenspiegel, was die Knochen schwächt
  • Hormonablative Therapien: Sie können das Risiko für Osteoporose steigern
  • Bestimmte Diabetesmedikamente (Glitazone): Können die Knochenqualität beeinträchtigen
  • Antiepileptika: Diese Medikamente erhöhen das Frakturrisiko, da sie den Vitamin-D-Stoffwechsel stören
  • Opioide und Antidepressiva: Beide Medikamentengruppen können das Sturzrisiko erhöhen
  • Protonenpumpenhemmer (PPI) und Schleifendiuretika: Sie beeinträchtigen die Aufnahme von Kalzium und anderen Mineralien
  • Bestimmte hormonelle Verhütungsmittel (Kontrazeptiva)
  • Schilddrüsenhormonüberdosierung (Hyperthyreosis factitia)

In vielen Fällen gibt es Überschneidungen zwischen den Grunderkrankungen und den Medikamenten, die zu ihrer Behandlung eingesetzt werden. Dies verstärkt das Risiko zusätzlich.

Diagnose: Wie lässt sich Osteoporose feststellen?

Die Diagnosestellung der Osteoporose ist kein rein messtechnischer Vorgang. Der klinische Zustand der Patient*innen ist immer der Ausgangspunkt. Die Einleitung einer Osteoporose-Basisdiagnostik erfolgt in Abwägung der Wahrscheinlichkeit für das Auftreten osteoporotischer Frakturen:

Eine Osteoporose-Diagnose wird in folgenden Fällen empfohlen:

  • Ab 50 Jahren: Wenn bei Männern und Frauen Knochenbrüche ohne wesentliche Krafteinwirkung (niedrigtraumatisch) an der Wirbelsäule oder an den Extremitäten auftreten. Ausgenommen sind Brüche an Fingern, Zehen, Schädel und Knöcheln.
  • Ab 60 Jahren (Frauen) und ab 70 Jahren (Männer): Wenn Risikofaktoren wie Grunderkrankungen oder bestimmte Medikamente vorliegen, die Osteoporose begünstigen.
  • Generell ab 70 Jahren (Frauen) und ab 80 Jahren (Männer): Auch wenn keine vorherigen Brüche festgestellt wurden.

5 wichtige Schritte in der Osteoporose-Diagnostik

  1. Anamnese (Krankengeschichte): Der Arzt oder die Ärztin fragt nach früheren Knochenbrüchen, bestehenden Risikofaktoren und anderen Anzeichen für Osteoporose.
  2. Klinische Untersuchung: Hierbei wird der allgemeine körperliche Zustand überprüft, insbesondere auf Anzeichen von Knochenschwund oder Fehlstellungen.
  3. Röntgenuntersuchung: Falls der Verdacht auf einen Wirbelbruch besteht, wird eine Röntgenaufnahme durchgeführt, um die Struktur der Knochen zu beurteilen.
  4. Laboruntersuchungen: Bluttests helfen, Risikofaktoren oder Grunderkrankungen zu identifizieren, die eine Osteoporose fördern können. Außerdem wird geprüft, ob Gründe vorliegen, die gegen bestimmte Behandlungsmöglichkeiten sprechen.
  5. Knochendichtemessung (Osteodensitometrie): Die Standardmethode zur Messung der Knochendichte ist die DXA-Messung (Dual-Röntgen-Absorptiometrie). Sie misst die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule (LWS) und dem Oberschenkelknochen (Femur).

Alternative Knochendichtemessungen wie Q-CT und Ultraschall werden laut Leitlinie nicht für die primäre Diagnostik empfohlen.

Wie wird die Knochendichtemessung ausgewertet?

Bei der Auswertung der Knochendichtemessung ist nicht der absolute Messwert entscheidend. Stattdessen wird der gemessene Wert mit den durchschnittlichen Werten von jungen, gesunden Erwachsenen (um die 30 Jahre) verglichen. Dieser Vergleichswert wird als T-Wert bezeichnet. Zusammen mit den individuellen Risikofaktoren hilft der T-Wert zu entscheiden, ob neben allgemeinen vorbeugenden Maßnahmen auch eine medikamentöse Therapie erforderlich ist.

Osteoporose vorbeugen

Die Vorbeugung (Prophylaxe) von Osteoporose zielt darauf ab, die beeinflussbaren Risikofaktoren zu minimieren und den Knochenabbau zu verlangsamen. Es gibt mehrere Maßnahmen, die helfen können, das Risiko für Knochenbrüche zu verringern:

  • Behandlung von Grunderkrankungen: Es ist wichtig, bestehende Erkrankungen, die Osteoporose begünstigen können, optimal zu behandeln. Dadurch lässt sich das Risiko für Knochenbrüche deutlich reduzieren.

  • Überprüfung von Medikamenten: Medikamente, die das Risiko für Frakturen erhöhen, sollten regelmäßig überprüft werden. Der Nutzen dieser Medikamente muss gegen die Risiken abgewogen werden. Wenn nötig, kann der Arzt oder die Ärztin Alternativen empfehlen.

Ältere Frau mit grauen Haaren hält ein Glas Milch und lächelt. Eine kalziumreiche Ernährung, z. B. durch Milchprodukte, hilft zur Vorbeugung von Osteoporose und stärkt die Knochengesundheit.

Körperliche Aktivität und Sturzprävention

  • Regelmäßige Bewegung ist entscheidend, um die Muskeln zu stärken und die Knochendichte zu fördern. Neben der Verbesserung der Herz-Lungen-Leistungsfähigkeit sind besonders Krafttraining und Übungen zur Verbesserung der Koordination und Balance hilfreich, um das Sturzrisiko zu minimieren.
  • Sturzprophylaxe ist besonders wichtig für ältere Menschen. Dazu gehören Übungen zur Stärkung der Muskeln, Anpassungen im häuslichen Umfeld (z.B. Vermeidung von Stolperfallen) und in einigen Fällen die Verordnung von Hüftprotektoren, die die Hüfte bei Stürzen schützen.
  • Regelmäßige Sturzanalyse: Eine jährliche Analyse des Sturzrisikos wird empfohlen, insbesondere bei älteren Menschen. Wenn ein erhöhtes Risiko besteht, sollten die Ursachen ermittelt und nach Möglichkeit beseitigt werden.

Gesunder Lebensstil

  • Verzicht auf Nikotin: Rauchen schwächt die Knochengesundheit und sollte vermieden werden.
  • Mäßiger Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann die Aufnahme von Kalzium beeinträchtigen und das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.

Optimierung der Ernährung

  • Ein gesundes Körpergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 20 kg/m² sollte angestrebt werden.
  • Eine kalziumreiche Ernährung ist wichtig, um die Knochengesundheit zu fördern. Empfohlen wird eine tägliche Aufnahme von mindestens 1000 mg Kalzium. Kalzium-Supplemente sollten nur eingenommen werden, wenn die Kalziumzufuhr über die Nahrung zu gering ist.
  • Zudem ist eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr (800-1000 IE täglich) notwendig, da Vitamin D den Körper bei der Aufnahme von Kalzium unterstützt. Besonders wichtig ist dies bei Menschen, die wenig Sonnenlicht bekommen, da Vitamin D hauptsächlich durch Sonnenbestrahlung in der Haut gebildet wird. Eine Vitamin-D-Einnahme ist jedoch nicht für alle geeignet, beispielsweise bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüse, Nierensteinen oder bestimmten Erkrankungen. Dies sollte vorher mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen werden.

Durch eine Kombination aus der Behandlung von Grunderkrankungen, regelmäßiger Bewegung, einer angepassten Ernährung und einem gesunden Lebensstil können die Risiken für osteoporotische Frakturen erheblich gesenkt werden.

Therapie- und Behandlungsansätze bei Osteoporose

Die Behandlung von Osteoporose umfasst zunächst die konsequente Umsetzung der bereits genannten vorbeugenden Maßnahmen. Darüber hinaus unterscheidet man zwischen der Behandlung bereits eingetretener Frakturen und der Behandlung der systemischen Skeletterkrankung.

Behandlung von Frakturen bei Osteoporose

Frakturen, die infolge der Osteoporose entstehen, erfordern eine spezifische Versorgung, da die Knochenstruktur geschwächt ist. Hier liegt der Fokus auf der raschen Mobilisierung der Patient*innen und der Stabilisierung des Knochens. Dabei muss die langsamere Knochenbruchheilung bei der Behandlungsplanung berücksichtigt werden.

  • Operative und konservative Frakturversorgung: Abhängig von der Schwere der Fraktur und der Stabilität des Knochens wird zwischen operativen und konservativen Maßnahmen unterschieden. Orthesen helfen, den Knochen zu stützen, während in schweren Fällen operative Eingriffe mit Knochenzement notwendig sein können, um Implantate zu stabilisieren.
  • Wirbelfrakturen: Osteoporotische Wirbelbrüche sind oft stabil, sodass auf Schrauben-Stab-Systeme häufig verzichtet werden kann. Hier kommt es auf eine sorgfältige orthopädische Versorgung und Rehabilitation an.
  • Vertebroplastie: Bei starken Schmerzen nach einem Wirbelbruch kann eine minimalinvasive Vertebroplastie durchgeführt werden. Dabei wird über einen kleinen Zugang Knochenzement in den gebrochenen Wirbel injiziert, um Stabilität zu gewährleisten.
  • Schmerztherapie: Eine angepasste individuelle Schmerztherapie nach WHO-Stufenschema ist bei osteoporotischen Frakturen Standard.

Behandlung der systemischen Osteoporose

Osteoporose selbst wird durch Medikamente und weitere Maßnahmen behandelt, um den Knochenabbau zu verlangsamen und die Knochendichte zu erhöhen. Wenn eine andere Erkrankung als mögliche Ursache der Osteoporose identifiziert wird, sollte diese rasch abgeklärt und behandelt werden.

Medikamentöse Behandlung

Es stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, um die Knochen zu stärken und den Abbau zu hemmen:

  • Bisphosphonate: Diese Medikamente (z.B. Alendronat, Ibandronat, Zolendronat, Risedronat) blockieren die Aktivität der Osteoklasten, die für den Knochenabbau verantwortlich sind.
  • Raloxifen: Es wirkt wie Östrogen, allerdings ohne die unerwünschten Nebenwirkungen, und schützt den Knochen.
  • Denosumab: Ein monoklonaler Antikörper, der den Knochenabbau hemmt, indem er die Osteoklasten blockiert.
  • Teriparatid: Dieses Medikament stimuliert den Knochenaufbau, indem es den Kalziumstoffwechsel reguliert.
  • Östrogen: Obwohl es grundsätzlich bei Frauen mit postmenopausaler Osteoporose wirkt, wird es wegen erhöhter Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall, Embolie und Brustkrebs nicht empfohlen.

Wann wird die medikamentöse Therapie eingeleitet?

Die Entscheidung zur medikamentösen Therapie basiert nicht allein auf dem Ergebnis der Knochendichtemessung (DXA) und dem Vorliegen von Frakturen:

  • Eine medikamentöse Therapie wird nach niedrigtraumatischen Wirbelkörper- oder Oberschenkel(hals)frakturen bei einem T-Score unter -2,0 eingeleitet.
  • Ein T-Score unter -3,0 führt zur Therapieeinleitung bei täglicher Cortisongabe von 2,5 mg bis unter 7,5 mg Prednisolonäquivalent, bei Diabetes mellitus Typ 1 oder wenn 3 niedrigtraumatische Frakturen in den letzten 10 Jahren aufgetreten sind (außer Finger-, Zehen-, Schädel- und Knöchelfrakturen).
  • Bei anderen Osteoporoserisikofaktoren liegt der Schwellenwert bei einem T-Score von -2,5.
  • Bei typischen osteoporotischen Befunden von Wirbelkörper- oder hüftnahen Oberschenkelfrakturen kann auf eine Knochendichtemessung verzichtet werden.

Überwachung der Therapie

Die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung wird regelmäßig überprüft, um sicherzustellen, dass die Therapie den gewünschten Erfolg bringt und Nebenwirkungen vermieden werden:

  • Klinische Kontrolle: Alle 3 bis 6 Monate wird die regelmäßige Medikamenteneinnahme und das mögliche Auftreten von Nebenwirkungen überprüft.
  • Kontrolle des Therapieerfolgs: Besondere Aufmerksamkeit gilt Hinweisen auf ein mögliches Therapieversagen wie neue Frakturen, eine weitere Körpergrößenabnahme um mehr als 2 cm oder ein Abfall der DXA-Knochendichte um 5% unter Therapie.
  • Knochendichtemessung: Eine Kontrollmessung ohne klinischen Verdacht auf Therapieversagen ist zwar nicht zwingend erforderlich, kann aber nach 3-5 Jahren Therapie die weitere Behandlungsmotivation unterstützen.

Reha bei Osteoporose

Die Rehabilitation spielt eine zentrale Rolle in der Behandlung der Osteoporose, sowohl vorbeugend als auch nach bereits eingetretenen Frakturen. Sie umfasst ein ganzheitliches Behandlungskonzept, das auf die individuellen Bedürfnisse der Patient*innen abgestimmt wird.

Ziele der Rehabilitation

  • Verbesserung der Knochenstabilität durch gezieltes Training
  • Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Koordination
  • Schmerzlinderung und Beweglichkeitsverbesserung
  • Sturzprävention durch Gleichgewichts- und Koordinationstraining
  • Förderung der Alltagskompetenz und Selbstständigkeit

Ambulante Rehabilitation

Die ambulante Rehabilitation bietet besondere Vorteile, da Training und Therapie direkt im gewohnten Umfeld umgesetzt werden können. Die Patient*innen bleiben in ihrer vertrauten Umgebung und können das Gelernte unmittelbar in ihren Alltag integrieren. Die Therapiezeiten lassen sich flexibel gestalten, und Angehörige können bei Bedarf in den Rehabilitationsprozess einbezogen werden.

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Rehabilitationsmaßnahmen

Die Bewegungstherapie bildet das Kernstück der Rehabilitation. Hier werden individuell angepasste Kraft- und Ausdauerübungen mit Koordinations- und Gleichgewichtstraining kombiniert. Besonderer Wert wird auf eine korrekte Haltung und gelenkschonende Bewegungsabläufe gelegt. Die Übungen werden dabei schrittweise in ihrer Intensität gesteigert und kontinuierlich an die Fortschritte der Patient*innen angepasst.

Das Rehabilitationsprogramm umfasst verschiedene, aufeinander abgestimmte Therapieformen:

  • Physiotherapie: Manuelle Therapie zur Schmerzlinderung, Mobilisation der Gelenke und spezielle Übungen zur Haltungskorrektur.
  • Ergotherapie: Training von Alltagsaktivitäten, Hilfsmittelberatung und Anpassung des häuslichen Umfelds zur Sturzprävention.
  • Schulung und Beratung: Informationen über knochenstärkende Ernährung, Anleitung zu eigenständigem Training und praktische Tipps zur Sturzvorbeugung.

Ablauf der Rehabilitation

Der Rehabilitationsprozess gliedert sich in drei Phasen:

  1. Eingangsuntersuchung: Zu Beginn werden der aktuelle Gesundheitszustand und die individuelle Belastbarkeit festgestellt sowie persönliche Therapieziele definiert.
  2. Therapiephase: Die verschiedenen Behandlungsformen werden aufeinander abgestimmt und regelmäßig an die Fortschritte angepasst. Begleitend erfolgt eine umfassende Beratung zur knochenstärkenden Ernährung und zum richtigen Bewegungsverhalten im Alltag.
  3. Abschlussphase: Zum Ende der Rehabilitation wird ein individuelles Heimübungsprogramm erstellt. Die Patient*innen erhalten konkrete Empfehlungen, wie sie die erlernten Übungen selbstständig fortführen können.

Die Rehabilitation bei Osteoporose ist damit ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept der Behandlung. Durch die gezielte Kombination verschiedener Therapieformen und die Integration in den Alltag können nachhaltige Verbesserungen erreicht werden. Regelmäßige Kontrollen und bei Bedarf Auffrischungskurse unterstützen die langfristige Fortsetzung der Aktivitäten.

Unsere Reha-Kliniken bei Osteoporose

Die Zentren für ambulante Rehabilitation (ZAR) sind deutschlandweit für Sie da. In unseren modernen Einrichtungen bieten wir Ihnen eine umfassende ambulante Rehabilitation bei Osteoporose. Das Angebot umfasst neben der Rehabilitation auch spezielle Nachsorgeprogramme sowie physiotherapeutische und ergotherapeutische Behandlungen. Dabei profitieren Sie von der Kombination aus professioneller Therapie und der Nähe zu Ihrem Zuhause.