Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz Reha- & Therapiewissen:
Symptome, Ursachen, Behandlung und Reha

Erfahren Sie, was eine Herzinsuffizienz ist, welche Symptome auf eine Herzschwäche hinweisen, welche Ursachen dahinterstecken und wie Behandlung sowie Rehabilitation helfen können, die Lebensqualität zu verbessern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Herzinsuffizienz?

Bei der Herzschwäche, in der medizinischen Bezeichnung Herzinsuffizienz, ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Organismus mit ausreichend Blut zu versorgen.

Nach Expertenschätzungen leiden bis zu 4 Millionen Menschen in Deutschland an einer chronischen Herzinsuffizienz. Es handelt sich um den häufigsten Grund für eine stationäre Krankenhausaufnahme. Circa 20 % der Menschen über 75 Jahre sind betroffen.

Wir unterscheiden die Formen der Herzinsuffizienz nach mehreren Kriterien:

  • Ort des Auftretens: Ist die linke Herzkammer betroffen? Die rechte Herzkammer? Oder sogar beide?
  • Mechanismus der Entstehung: Handelt es sich um eine systolische oder diastolische Herzschwäche?
  • Verlauf: Liegt ein akutes Geschehen innerhalb von Minuten bis Stunden vor? Oder besteht eine chronische Herzschwäche mit einem Verlauf über Monate und Jahre?

Bei der systolischen Herzinsuffizienz ist die Auswurfmenge des Herzens reduziert. Es besteht eine Pumpschwäche.

Bei der diastolischen Herzinsuffizienz ist die Auswurfmenge des Herzens erhalten. Allerdings ist die Blutfüllung des Herzens durch eine ungenügende Entspannungsfähigkeit des Herzmuskels beeinträchtigt. Es besteht eine Füllungsschwäche.

Grafik: gesundes Herz sowie systolische und diastolische Dysfunktion

Herzinsuffizienz: Symptome und Anzeichen

Die Symptome bei einer Herzinsuffizienz entwickeln sich oft schleichend. Gerade deshalb ist es wichtig, frühe Veränderungen der Belastbarkeit oder Atmung aufmerksam wahrzunehmen.

Anzeichen der Herzschwäche können sein:

  • Atemnot: zunächst bei Belastung, später auch in Ruhe oder im flachen Liegen.
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit: häufig verbunden mit einer Abnahme der Leistungsfähigkeit.
  • Schwellungen: Wassereinlagerungen an Knöcheln und Unterschenkeln.
  • Herzklopfen: teilweise auch mit erhöhtem Puls.
  • Husten: als mögliches weiteres Anzeichen.

Diese können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei entsprechenden Beschwerden sollte ärztlich geklärt werden, ob eine Herzinsuffizienz vorliegt.

Diagnose und Untersuchungen bei Herzinsuffizienz

Die Diagnose bei einer Herzinsuffizienz stützt sich auf mehrere Untersuchungen. Ziel ist es, die Herzschwäche festzustellen und anschließend mögliche Ursachen einzugrenzen.

Liegen Anzeichen für eine Herzschwäche vor, kann diese über verschiedene Untersuchungen festgestellt werden:

  • Körperliche Untersuchung: Gibt es Wassereinlagerungen in den Beinen? Gibt es beim Abhören der Lunge auffällige Geräusche, die ebenfalls auf Flüssigkeitsansammlungen hinweisen?
  • Laboruntersuchungen: Es gibt Biomarker, welche im Blut bestimmt werden können. Eine Erhöhung des Wertes für BNP oder NT-proBNP weist auf eine Herzschwäche hin.
  • Ultraschalluntersuchung: Im Herzultraschall, der Echokardiographie, können Herzgröße und Herzfunktion bestimmt werden.

Ist eine Herzinsuffizienz im Ultraschall bestätigt worden, dienen weitere Untersuchungen wie EKG, Herzkatheteruntersuchung, CT oder MRT zur Ursachenklärung.

Untersuchung eines geschwollenen Fußes als Symptom bei Herzinsuffizienz

Ursachen und Risikofaktoren bei Herzschwäche

Herzinsuffizienz ist keine eigenständige Erkrankung in diesem Sinne, sondern vielmehr ein Folgezustand anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Ursachen der Herzinsuffizienz liegen daher häufig in bereits bestehenden Erkrankungen des Herzens oder der Gefäße.

Besonders wichtig sind:

  • Bluthochdruck, medizinisch arterielle Hypertonie.
  • Koronare Herzerkrankung, kurz KHK, als Durchblutungsstörung des Herzens.

Die Blutzuckererkrankung, also Diabetes mellitus, ist dabei ein entscheidender Risikofaktor für das Auftreten von Gefäßerkrankungen. Diese können dann über eine Minderdurchblutung des Herzmuskels zur Herzschwäche führen.

Bluthochdruck führt ebenfalls sehr häufig zu einer Entspannungsstörung des Herzens, also einer diastolischen Herzschwäche.

Andere Ursachen für Herzinsuffizienz sind:

  • Herzklappenerkrankungen
  • Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern
  • angeborene Herzfehler
  • Herzmuskelerkrankungen, auch entzündlicher Art, wie Herzmuskelentzündung nach Virusinfekten
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Drogen, Alkohol oder bestimmte Medikamente

Herzinsuffizienz: Behandlungsmöglichkeiten

Bei einer Herzinsuffizienz steht zunächst die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt davon ab, wodurch die Erkrankung ausgelöst wird.

Bei koronarer Herzerkrankung gilt es, die Durchblutung des Herzmuskels zu verbessern – zum Beispiel über Medikamente, Stentimplantationen oder Operationen. Ein Bluthochdruck und eine Blutzuckererkrankung müssen über einen verbesserten Lebensstil und mit Hilfe von Medikamenten eingestellt werden, da beide Erkrankungen eine Herzinsuffizienz begünstigen oder verschlechtern können.

Bei Herzklappenerkrankungen kann gegebenenfalls ein Kathetereingriff oder eine Klappenoperation notwendig sein. Herzrhythmusstörungen lassen sich medikamentös oder mit Katheterverfahren behandeln.

Zusätzlich wird die Herzinsuffizienz medikamentös behandelt. Dabei kommt meist eine Kombination mehrerer Medikamente zum Einsatz:

  • ARNI: Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor. Der Handelsname ist Entresto. Eine regelmäßige Blutdruckkontrolle ist wichtig, da eine unerwünschte starke Blutdrucksenkung auftreten kann.
  • Betablocker: Beispiele sind Metoprolol oder Bisoprolol. Auch hier muss ein niedriger Blutdruck beachtet werden. Zudem verlangsamt ein Betablocker die Herzfrequenz.
  • MRA: Mineralkortikoid-Rezeptorantagonist. Beispiele sind Spironolacton oder Eplerenon. Nierenwerte und Kaliumspiegel sollten bei der Behandlung kontrolliert werden.
  • SGLT2-Hemmer: Wirkstoffe sind zum Beispiel Dapagliflozin oder Empagliflozin. Sie sind insgesamt gut verträglich, es besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen oder Pilzinfektionen des Urogenitaltraktes.
  • ACE-Hemmer oder Sartane: Keine Anwendung in Kombination mit ARNI. Eine bekannte Nebenwirkung von ACE-Hemmern kann Husten sein, zudem treten selten allergische Reaktionen mit Schleimhautschwellung in Mund oder Rachen auf.
  • Diuretika: Wassertabletten. Auch hier sind Kontrollen der Nierenfunktion und des Kaliumspiegels notwendig.

In manchen Fällen kann bei Herzinsuffizienz auch die Behandlung mit implantierbaren elektrischen Geräten erforderlich werden. Dazu zählen Herzschrittmacher und Defibrillatoren. Defibrillatoren sollen bei Patient*innen mit besonders ausgeprägter Herzschwäche einen plötzlichen Herztod verhindern.

Auch die sogenannte kardiale Resynchronisationstherapie, kurz CRT, kann notwendig sein. Dabei wird ein spezielles Schrittmachersystem implantiert, das die Herzarbeit synchronisiert.

Vor allem in der Anfangsphase der Medikamenteneinnahme müssen Nebenwirkungen und Verträglichkeit geprüft werden. Häufig ist dann noch eine Dosisanpassung notwendig. Dabei berät und unterstützt auch das ärztliche Personal im Rahmen einer Rehabilitation.

Frau hält Medikamente und Glas Wasser zur Behandlung von Herzinsuffizienz
Herzschrittmacher zur Unterstützung der Herzfunktion bei Herzinsuffizienz

Rehabilitation und Nachsorge bei Herzinsuffizienz

Die Reha bei Herzinsuffizienz ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie verbindet medizinische Betreuung, Bewegungstherapie, Schulung und Unterstützung im Umgang mit Risikofaktoren und Belastungen im Alltag.

Die medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz sollte mit einer Bewegungstherapie kombiniert werden, um folgende Behandlungsziele bei Herzschwäche zu erreichen:

  • das Voranschreiten der Erkrankung verhindern oder verlangsamen
  • die Herzleistung verbessern
  • Lebensqualität und Lebenserwartung verbessern

Hier spielt insbesondere die kardiologische Rehabilitation eine entscheidende Rolle, denn diese rückt die Bewegung als Therapiemaßnahme in den Fokus. Das frühere Prinzip der körperlichen Schonung bei Herzschwäche ist schon lange überholt.

In der Rehabilitation beginnen Patient*innen unter ärztlicher und sporttherapeutischer Aufsicht ein strukturiertes körperliches Training. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu verbessern und die Belastbarkeit zu steigern.

Anwendung findet hier ein kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining mit folgenden Bausteinen:

  • Ausdauertraining: dosiertes Ergometertraining unter EKG- und Blutdrucküberwachung sowie Walking.
  • Krafttraining: Training an Geräten mit einem individuellen Trainingsprogramm.
  • Gruppentraining: Herzgruppe und Gruppen zum speziellen Training von Arm-, Rücken- und Beinmuskulatur.

Auch Herzinsuffizienzpatient*innen mit hochgradig eingeschränkter Leistungsfähigkeit profitieren von einem Bewegungstraining.

Im Rahmen der Rehabilitation haben Patient*innen auch die Möglichkeit, in Schulungen und Seminaren gezielt etwas über ihre Erkrankung und ihr Verhalten im Alltag zu erfahren.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bestehende Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck zu bearbeiten. Unterstützt werden Patient*innen hier durch ein interdisziplinäres Team aus Sport- und Physiotherapeut*innen, Ernährungsberater*innen, Gesundheits- und Krankenpfleger*innen sowie Ärzt*innen.

Herzschwäche schränkt oft den persönlichen Lebensspielraum, die Lebensqualität und gegebenenfalls auch die Lebenserwartung ein. Damit gehen verständlicherweise psychische Belastungssituationen einher. Diese können in der Rehabilitation mit Hilfe von Psycholog*innen und Psychotherapeut*tinnen angegangen werden.

Patienten beim Training in der Reha zur Stärkung der Herzleistung

Unsere Autorin

Susann Ernst, Chefärztin Kardiologie, ZAR
Susann Ernst
Chefärztin Kardiologie ZAR Ulm

ZAR Ulm
Pfarrer-Weiß-Weg 10, 89077 Ulm

Susann Ernst ist Fachärztin mit langjähriger Erfahrung in der ambulanten und klinischen Kardiologie. An ihrer Tätigkeit in der Rehabilitation schätzt sie besonders die langfristige Begleitung ihrer Patientinnen und Patienten sowie die enge Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team.

Unsere Reha-Kliniken für Herzschwäche

In den ZAR werden Patient*innen mit Herzinsuffizienz im Rahmen einer kardiologischen Rehabilitation wohnortnah begleitet. Interdisziplinäre Teams aus Ärzt*innen, Therapeut*innen, Pflegekräften, Ernährungsberater*innen und Psycholog*innen stimmen die Therapie individuell auf die Belastbarkeit und Ziele der Patient*innen ab.

Die ambulante Rehabilitation ermöglicht es, therapeutische Inhalte direkt mit dem eigenen Alltag zu verbinden und Schritt für Schritt mehr Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung zu gewinnen.

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