Viele Menschen fühlen sich nach einer überstandenen Covid-19-Infektion weiterhin erschöpft oder eingeschränkt. Post Covid beschreibt Beschwerden, die noch Monate nach der Infektion bestehen bleiben können. Hier erfahren Sie verständlich, welche Symptome auftreten können, wie die Diagnose gestellt wird und welche Rolle Rehabilitation bei der Behandlung spielt.
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Die Covid-19-Pandemie ist zwar kein globaler Gesundheitsnotstand mehr, dennoch leiden weiterhin viele Menschen an langfristigen Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens zehn Prozent der Betroffenen längerfristige Beschwerden entwickeln können.
Unter „Post-Covid-Syndrom“ (PCS) versteht man gesundheitliche Beschwerden, die auch zwölf Wochen nach Beginn einer Covid-19-Erkrankung weiterhin bestehen und nicht durch andere Ursachen erklärt werden können. Viele Betroffene fühlen sich zwar von der akuten Infektion erholt, sind jedoch im Alltag weiterhin eingeschränkt.
Die Symptome können bereits während der akuten Erkrankung beginnen oder sich erst Wochen später entwickeln. Viele Betroffene erleben einen schwankenden Verlauf mit Phasen der Besserung und Rückfällen.
Auch das sogenannte Post-VAC-Syndrom – anhaltende Beschwerden nach einer Impfung – kann ähnliche Symptome verursachen. Das Krankheitsbild ist dann ganz ähnlich wie beim Post-Covid bzw. Long-Covid Syndrom mit einer Vielzahl an möglichen Symptomen, wobei auch Belastungsminderung, Herz-Kreislauf Beschwerden und neurologische Symptome im Vordergrund stehen. Zuverlässige Zahlen über die Häufigkeit existieren leider hier nicht.
Häufig werden die Begriffe Long Covid und Post Covid gemeinsam verwendet. Medizinisch wird jedoch unterschieden: Von einem „Long-Covid-Syndrom“ (LCS) spricht man, wenn Symptome länger als vier Wochen nach der Infektion bestehen bleiben. Als Post Covid Syndrom werden dagegen Beschwerden bezeichnet, die länger als zwölf Wochen anhalten.
Typische Post Covid Symptome sind unter anderem:
Relevant ist in vielen Fällen auch die sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM). Dabei verschlechtert sich die Symptomatik nach körperlicher oder geistiger Anstrengung deutlich und kann über viele Stunden anhalten.
Die genauen Post Covid Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Forschende gehen davon aus, dass mehrere biologische Prozesse gleichzeitig eine Rolle spielen können. Diskutiert werden unter anderem folgende Mechanismen:
Die Schwere der Erstinfektion, die Virusvariante und der Impfstatus zum Zeitpunkt der Infektion sind nicht die alleinigen entscheidenden Faktoren für die Entwicklung eines Post-Covid-Syndroms.
Nicht alle Menschen entwickeln nach einer Covid-19-Infektion langfristige Beschwerden. Dennoch zeigen Beobachtungen, dass bestimmte Personengruppen ein erhöhtes Risiko für ein Post-Covid-Syndrom haben können. Dazu zählen insbesondere:
Trotz dieser möglichen Risikofaktoren lässt sich derzeit nicht sicher vorhersagen, wer nach einer Covid-19-Infektion langfristige Beschwerden entwickelt. Genau deshalb ist eine individuelle medizinische Abklärung entscheidend, um andere Ursachen auszuschließen und die passende Behandlung zu finden.
Die Post Covid Diagnose erfolgt in erster Linie anhand der anhaltenden Beschwerden nach einer überstandenen Covid-19-Infektion.
Ein einzelner Labortest, mit dem sich das Post-Covid-Syndrom eindeutig nachweisen lässt, existiert derzeit nicht. Deshalb basiert die Diagnose auf einer sogenannten Ausschlussdiagnostik. Ärzt*innen prüfen zunächst, ob andere körperliche oder psychische Ursachen für die Beschwerden infrage kommen. Dabei spielt eine ausführliche Erhebung der Krankheitsgeschichte eine wichtige Rolle – insbesondere die Frage, ob ähnliche Symptome bereits vor der Covid-19-Infektion bestanden haben.
Je nach Beschwerden können verschiedene Untersuchungen Bestandteil der Post Covid Diagnose sein:
Bei ausgeprägten Symptomen müssen außerdem mögliche Begleiterkrankungen berücksichtigt werden. Dazu zählen:
Die Post Covid Behandlung richtet sich in erster Linie nach den individuellen Beschwerden. Eine Therapie, die alle Symptome gleichzeitig heilt, steht derzeit nicht zur Verfügung. Medikamentöse Behandlungen werden daher meist nur unterstützend eingesetzt und zielen auf einzelne Symptome ab.
Im Mittelpunkt steht eine individuell abgestimmte, symptombezogene Therapie. Dazu können unter anderem gehören:
Bereits im ambulanten Bereich sollte die Post Covid Therapie frühzeitig beginnen und an die persönliche Leistungsfähigkeit angepasst werden. Wenn die Beschwerden stärker ausgeprägt sind oder ambulante Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine medizinische Rehabilitation sinnvoll sein. Studien zeigen, dass insbesondere pneumologische oder neurologische Reha-Programme die Lebensqualität und das Aktivitätsniveau verbessern können.
Zu Beginn der Post Covid Reha erfolgt eine umfassende Untersuchung. Dazu zählen eine ausführliche körperliche Diagnostik sowie die Erhebung neurologischer, internistischer und psychiatrischer Befunde. Häufig wird auch eine neuropsychologische Testung durchgeführt, insbesondere bei Fatigue oder kognitiven Einschränkungen. Ergänzende Untersuchungen können bei Bedarf weiterhin stattfinden.
Auf Basis dieser Diagnostik wird die Rehabilitation individuell geplant. Ziel ist es, die Auswirkungen des Post-Covid-Syndroms auf Aktivitäten des täglichen Lebens, Mobilität und berufliche Teilhabe genau zu erfassen und daraus passende Therapieziele abzuleiten.
In den ZAR Zentren erfolgt die Post Covid Behandlung interdisziplinär. Ärzt*innen verschiedener Fachrichtungen arbeiten eng mit Physiotherapeu*tinnen, Ergotherapeut*innen, Sport- und Bewegungstherapeut*innen, Pflegekräften, Ernährungsberater*innen sowie Psycholog*innen und Neuropsycholog*innen zusammen. Das Therapiekonzept orientiert sich am biopsychosozialen Krankheitsmodell und wird individuell angepasst.
Der Schwerpunkt der Behandlung richtet sich nach den vorherrschenden Beschwerden, beispielsweise im neurologischen oder kardiologischen Bereich.
Das Therapieprogramm kann – je nach Beschwerden und Belastbarkeit – verschiedene Bausteine umfassen:
Ein wichtiger Bestandteil der Post Covid Reha ist außerdem die Analyse sozialer und beruflicher Faktoren. Dazu gehören unter anderem die familiäre Situation, Wohnsituation, berufliche Anforderungen sowie Veränderungen der Belastbarkeit im Alltag.
Die deutschlandweit ansässigen ZAR Zentren verfolgen ein gemeinsames Ziel: Beschwerden zu lindern, funktionelle Einschränkungen zu verbessern und Patient*innen auf ihrem Weg zurück in ein aktives Leben zu begleiten. Während der gesamten Rehabilitation stehen erfahrene Ansprechpartner*innen zur Seite, die individuell beraten und unterstützen.