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Nachklapp zum 35. Reha-Kolloquium in Leipzig

Die Nanz medico GmbH & Co. KG auf dem 35. Reha-Kolloquium in Leipzig


Mit mehr als 2.000 Teilnehmenden ist das Reha-Kolloquium der größte rehabilitationswissenschafltiche Kongress im deutschsprachigen Raum.

Wir haben im Nachgang zur 35. Auflage mit unserem CEO, Markus Frenzer, dem Vorsitzenden des Funktionsbereichs Medizin, Prof. Dr. Gert Krischak, und Tommy Apelt, Leiter Tele-Therapie-Klinik und digitale Therapien, das Kongressmotto "Fairsorgt in der Reha? Vielfalt leben - Chancengleichheit schaffen" näher diskutiert. In diesem Beitrag werfen wir Blitzlichter auf einzelne Aspekte dieses komplexen Themas.
 

Markus Frenzer, CEO der Nanz medico GmbH & Co. KG

In der Diskussion mit Markus Frenzer sind wir schnell zu dem Punkt gekommen: Faire Versorgung ist nicht nur vielschichtig, sondern erfordert immer zwei grundsätzliche Sichtweisen: Die Patientenperspektive, aber ebenso die Klinikperspektive.

Markus Frenzer, CEO Nanz medico GmbH & Co. KG, im Gespräch zum 35. Reha-Kolloquium in Leipzig
  • Faire Versorgung in der Reha heißt heute, dass jedem Patienten und jeder Patientin, der oder die eine Reha benötigt, diese hochwertig zur Verfügung gestellt werden kann - beispielsweise auch wohnortnah und ambulant oder digital unterstützt. "Eine auf die Lebenswirklichkeit der Menschen individuell abgestimmte Reha ist eine faire Reha", fasst Frenzer einen zentralen Punkt zusammen.
  • Gleichzeitig ist aber auch wichtig: "Zu einer fairen Reha gehört auch eine faire Vergütung." Das bedeute, so Frenzer weiter, Reha nicht nach Kassenlage und mit gedeckelten Budgets zu machen. Die Vergütung müsse so ausgestaltet sein, dass sie die Kostenstruktur der Rehakliniken abdecke. Das ist übrigens auch eine der zentralen Forderungen des Bundesverband Deutscher Privatkliniken e.V. (BDPK), in dem Frenzer im Vorstand tätig ist.

Auf das Reha-Kolloquium blickt der CEO absolut positiv zurück. Für ihn ist es neben dem fachlichen Update auch ein riesiger Marktplatz der Begegnung, bei dem alle Kostenträger und externen Partner zusammenkommen. So könne man auf sehr kurzem Weg mit vielen Menschen in Kontakt treten.
 

Prof. Dr. Gert Krischak, Vorsitzender des Funktionsbereichs Medizin der Nanz medico und Chefarzt Orthopädie des ZAR Friedrichshafen

Nicht ohne Grund ist das Kongress-Motto "Fairsorgt in der Reha? Vielfalt leben - Chancengleichheit schaffen" als Frage formuliert. Denn wir sind zwar auf dem Weg zu einer fairen Versorgung - aber noch längst nicht dort angekommen. Nach dem Statement von Markus Frenzer, der im Gespräch den Fokus auf eine faire Vergütung gelegt hat, durften wir mit Prof. Dr. Gert Krischak sprechen, der beim Reha-Kolloquium nicht nur als Moderator einer Diskussionsrunde dabei war, sondern auch Mitglied des wissenschaftlichen Programmkomitees ist.

Prof. Dr. Gert Krischak im Gespräch zum 35. Reha-Kolloquium in Leipzig

Für ihn bedeutet Fairness auch, dass man sich viel mehr Gedanken machen muss, wie die Vielzahl an Menschen zu erreichen ist, die …

  • Reha-Bedarf haben und
  • von einer Reha profitieren würden,
  • die aber aus unterschiedlichen Gründen keinen Zugang bekommen.

Dabei referenziert Krischak neben sozial benachteiligten Gruppen und Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz auch Personenkreise, die eine mangelnde Anbindung an ärztliche Versorgungsstrukturen haben.

Außerdem sieht er im Reha-Alltag auch die Gruppe der Vermeider - insbesondere bei psychischen Komorbiditäten. Viele Menschen mit Rehabedarf schlagen also gar nicht beim Arzt auf, bei anderen wiederum sorgt die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust dafür, dass sie nicht drei Wochen fehlen möchten.

Heute, so Krischak, würden wir uns zwar für die Patientinnen und Patienten, die eine Reha-Maßnahme bewilligt bekommen, detailliert Gedanken um die Ausgestaltung der Leistungen machen. Die eigentliche Ungleichbehandlung️ liege aber darin, dass viele den Zugang zu Reha gar nicht erst erhalten. "Faire Versorgung beginnt nicht bei der Behandlung, sondern beim Zugang!", betont Krischak daher auch.

Neben der Notwendigkeit eines fairen Zugangs für alle Gruppen mit Reha-Bedarf betont er noch einen zweiten Aspekt besonders, der sozusagen ein Fairness-Dilemma betrifft.

  • "Wir haben ein gedeckeltes System, der Bedarf ist aber ungedeckelt", bringt es Krischak auf den Punkt.
  • Niemand im Gesundheitswesen würde einen Impf-Deckel, also eine Begrenzung bei der Bestellung oder Verteilung von Impfstoffen fordern, so Krischak.
  • Aber den Reha-Deckel gebe es. Damit werden die finanziellen Mittel begrenzt, die der Deutschen Rentenversicherung jährlich für medizinische und berufliche Rehabilitationsleistungen zur Verfügung stehen. "Und das, obwohl Rehabilitation mit die schlauste Antwort auf ein drohendes Problem ist", wundert sich Krischak.
Prof. Dr. Gert Krischak im Gespräch zum 35. Reha-Kolloquium in Leipzig

Er führt aus, dass bei immer älter werdenden Arbeitnehmer*innen und einem gleichzeitigen Anstieg chronischer Erkrankungen, die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit unser solidaritäts- und umlagenfinanziertes Gesundheitssystem sowie die Sozialbeiträge entlastet. Dass da durch Reha enorme Hebel möglich sind, steht für ihn außer Zweifel. Umso bedauerlicher, dass diese Entlastungspotenziale im Moment durch ausschließlich monetäre Gründe der Finanzierung ausgebremst werden.

Dass der Reha-Deckel weg muss, ist für ihn daher eine zentrale Frage der Fairness: "Wir sprechen von Bedarfsgerechtigkeit, aber wir priorisieren und begrenzen die Reha."

 

Tommy Apelt, Leiter Tele-Therapie-Klinik und digitale Therapien bei der Nanz medico

Im Recap mit Tommy Apelt haben wir uns damit beschäftigt, wie digitale Angebote zu einer fairen Versorgung in der Reha beitragen können️. Auf dem Reha-Kolloquium war er Teil des Workshops "Digitale Reha entwickeln, erleben und gestalten". Gemeinsam mit Dr. Sebastian Knapp von Caspar Health hatte er unter dem Titel "Reha-Storytelling in digital flexibilisierter Reha" den Teilnehmenden die Möglichkeit geboten, im Rahmen eines interaktiven Diskussionsformates digitale Reha-Formate zu erleben.

Für Tommy Apelt steht zunächst einmal außer Frage, dass die digitalen Versorgungsangebote eine Versorgungslücke geschlossen haben: "Erst seit diese Angebote bestehen, können Personen, die Reha-Bedarf haben, aber keine Präsenzangebote wahrnehmen können, individuelle Therapien angeboten bekommen."

Tommy Apelt im Gespräch zum 35. Reha-Kolloquium in Leipzig

Aus der täglichen Arbeit weiß er, dass es zahlreiche Fälle gibt, in denen Personen mit Reha-Bedarf die Öffnungszeiten von Leistungserbringern schlicht nicht wahrnehmen können - sei es in ländlichen Gebieten, wo der Anfahrtsweg zu Reha-Leistung viel zu weit ist, oder im Alltag von Alleinerziehenden oder Schichtarbeitenden.

Er betont aber auch: Allein daraus, dass keine andere Möglichkeit bestehe, als an einer digitalen Therapiemaßnahme teilzunehmen, erwachse noch keine ausreichende Motivation, das digitale Angebot gerne und regelmäßig zu nutzen!

In seinem interaktiven Workshop "Reha-Storytelling in digital flexibilisierter Reha“ war daher auch zentrales Thema, wie ein guter digitaler Inhalt gestaltet sein muss um die wichtige Therapie-Adhärenz zu erreichen. Denn Therapietreue ist letztlich der Schlüssel, um vereinbarte Therapieziele zu erreichen.

Einige wichtige Erkenntnisse:

  • Digitale Inhalte müssen nicht perfekt sein - sie müssen genutzt werden.
    Die Kunst liegt darin, dass Therapeut*innen Inhalte in Lernvideos verständlich vermitteln und nicht fachlich zu komplex erklären.
  • Präsenzinhalte und digitale Inhalte müssen nahtlos ineinandergreifen.
    Was in der Therapie vor Ort begonnen wird, sollte sich im digitalen Setting wiederfinden und sinnvoll fortsetzen lassen.
  • Lernen braucht Rückmeldung.
    Bei edukativen Inhalten ist deshalb eine Lernerfolgskontrolle wichtig - z. B. in Quizform.
  • Verbindlichkeit schafft Wirkung.
    Nur Inhalte, die tatsächlich genutzt werden, können auch wirken.
  • Erfolg entsteht durch Interaktion.
    Patient*innen, die wir aktuell in der Rehabilitation sehen, brauchen den Austausch mit Therapeut*innen - auch im digitalen Setting. Deshalb sollten digitale Inhalte interaktiv gestaltet sein und konkrete Handlungsaufträge enthalten. Gerade bei komplexen Themen bleibt die therapeutische Begleitung z. B. mittels Feedback- und Chatfunktionen entscheidend.

Könnte die digitale Reha vielleicht ein Generationen-Thema sein? Warum das ein Trugschluss ist und was sich dadurch ändert, dass es mit dem neuen KTL Katalog ab kommendem Jahr Schlüssel für digitale Leistungen geben wird - das könnte doch ein gutes Thema für ein nächstes Gespräch mit Tommy Apelt sein.
 

Tipp

Unter www.reha-kolloquium.de, der offiziellen Kongress-Website der Deutschen Rentenversicherung, finden Sie neben einem Ausblick auf das 36. Reha-Kolloquium 2027 auch Links mit Rückblicken auf vergangene Kongresse.