Anfallsformen werden unter anderem danach unterschieden, ob nur ein Teil des Gehirns oder das gesamte Gehirn betroffen ist.
Die betroffene Person ist reagibel. Symptome können zuckende Körperteile sein, zum Beispiel ein Arm oder eine Gesichtshälfte. Auch Missempfindungen wie Kribbeln können auftreten. Zu dieser Gruppe gehören auch Auren. Die Person bekommt alles mit, kann üblicherweise handeln und Bedürfnisse äußern. Die frühere Bezeichnung lautet einfach-fokaler Anfall.
Die betroffene Person ist verwirrt, verlangsamt oder reagiert nicht korrekt. Häufig zeigt sich ein starrer Blick. Betroffene sprechen nicht oder wenig und zeigen manchmal automatisierte Bewegungen wie Reiben oder Nesteln an der Kleidung. Hinterher können sie sich nicht an alles erinnern. Die frühere Bezeichnung lautet komplex-fokaler Anfall.
Ein fokaler Anfall breitet sich auf das ganze Gehirn aus. Dann kommt es zu einem generalisiert tonischen oder generalisiert bilateral tonisch-klonischen Anfall.
Dies ist der klassische „große“ Anfall. Betroffene verlieren das Bewusstsein und stürzen. Der gesamte Körper versteift sich zunächst in der tonischen Phase und zuckt anschließend rhythmisch in der klonischen Phase. Die Augen sind geöffnet und verdreht. Zungenbisse sind möglich. Hinterher erschlafft der Körper und es tritt eine röchelnde Atmung auf. Manchmal kommt es zum Einnässen. Nach einem solchen Anfall sind die Menschen erschöpft und haben ein Schlafbedürfnis.
Absencen bei Epilepsie sind kurze Bewusstseinspausen, oft nur für wenige Sekunden. Betroffene schauen starr oder halten inne. Typisch ist der Beginn im Kindesalter. Absencen können bis zu 100-mal pro Tag auftreten.
Myoklonische Anfälle sind plötzliche, kurze und teils heftige Zuckungen von Muskelgruppen, zum Beispiel der Schulter-Armmuskulatur. Dadurch können festgehaltene Gegenstände mit Schwung aus der Hand fallen oder zum Beispiel Kaffee verschüttet werden. Myoklonien können mehrfach hintereinander auftreten und münden dann nicht selten in einen bilateral tonisch-klonischen Anfall.
Bei atonischen Anfällen kommt es zu einem plötzlichen Verlust des Muskeltonus. Dies führt zu Stürzen, weshalb sie auch „Sturz-Anfälle“ genannt werden. Dabei besteht ein hohes Verletzungsrisiko.
Tonische Anfälle äußern sich durch eine Muskelversteifung ohne anschließendes Zucken.
Neben den genannten Anfallsformen gibt es zwei Begriffe, die besonders wichtig sind: die Aura und der Status epilepticus.
Eine Aura bei Epilepsie ist ein kleiner, bewusst erlebter fokaler Anfall. Sie kann einem größeren Anfall vorausgehen, aber auch allein auftreten. Meist dauert sie nur wenige Sekunden. Betroffene nehmen dabei zum Beispiel ein Déjà-vu, aufsteigende Übelkeit, Geruchs- oder Geschmackswahrnehmungen wahr. Auch Sehstörungen sind möglich. Medizinisch gehört die Aura zu den fokalen Anfällen mit erhaltenem Bewusstsein.
Ein Status epilepticus liegt vor, wenn ein Anfall länger als 5 Minuten dauert oder mehrere Anfälle hintereinander auftreten, ohne dass sich die betroffene Person dazwischen erholt. Der Status epilepticus ist ein medizinischer Notfall. Eine sofortige Krankenhauseinweisung ist notwendig.
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