Rehabilitation bei Epilepsie

Eine Rehabilitation bei Epilepsie ist sinnvoll, wenn Einschränkungen im Alltag, Probleme im Beruf oder psychische Belastungen vorliegen. Dazu gehören Sorgen, Ängste oder eine depressive Stimmungslage.

Die Epilepsie sollte weitgehend stabil mit Medikamenten eingestellt sein. Nach einem epilepsiechirurgischen Eingriff ist eine Anschlussheilbehandlung, kurz AHB, indiziert.

In den ZAR besteht die Möglichkeit der Medizinisch-Beruflich-Orientierten Rehabilitation, kurz MBOR, bei Epilepsie.

Ziele der Rehabilitation bei Epilepsie

Die Ziele der Rehabilitation richten sich nach den individuellen Beschwerden, der Lebenssituation und den Anforderungen im Alltag und Beruf.

Wichtige Ziele der Rehabilitation bei Epilepsie sind:

  • Krankheitsbewältigung und Krankheitsakzeptanz stärkenAufklärung zum Krankheitsbild Epilepsie, allgemein und individuell
  • körperliche, psychische und kognitive Belastbarkeit steigern
  • allgemeine Leistungsfähigkeit verbessern, insbesondere Kondition, Kraft, Koordination und psychische Stabilität
  • berufliche Schwierigkeiten im Zusammenhang mit den Anfällen und psychischen Beschwerden besprechen und gemeinsam Lösungen finden
  • ein sozialmedizinisches Profil erstellen und die berufliche Eignung klären
  • Fahreignung überprüfen
  • selbständige Lebensführung im Alltag und bei Freizeitaktivitäten unter therapeutischer Anleitung üben und Perspektiven entwickeln, diese zuhause umzusetzen
  • PC-gestütztes Gedächtnistraining nutzen, um die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern

Übergeordnete Ziele sind die Förderung der Selbständigkeit, die Teilhabe am sozialen und beruflichen Leben und damit einhergehend die Verbesserung der Lebensqualität.

Therapeut erklärt einer Patientin Übungen im Rahmen der neurologischen Reha bei Epilepsie

Inhalte der Rehabilitation bei Epilepsie

Die Reha bei Epilepsie umfasst verschiedene Therapiebausteine. Die Behandlung wird individuell geplant und regelmäßig angepasst.

Fachärztlich-neurologische Begleitung

Zu Beginn wird ein personalisierter Therapieplan erstellt, der etwaige Begleiterkrankungen berücksichtigt. Es erfolgen regelmäßig ärztliche Visiten mit individueller Anpassung des multimodalen Therapieprogramms. Auch die Medikation wird überprüft und gegebenenfalls die anfallssuppressive Medikation, also ASM, geändert.

Psychologische und psychotherapeutische Unterstützung

Betroffene lernen Strategien zur Krankheitsbewältigung, zum Abbau von Ängsten, zum Beispiel vor Anfällen, und Entspannungsverfahren. Dazu gehören unter anderem die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen und Autogenes Training.

Neuropsychologie

Die Reha beinhaltet eine ausführliche neuropsychologische Testung und gezieltes PC-gestütztes Training zur Verbesserung kognitiver Fähigkeiten.

Ergotherapie

In der Ergotherapie geht es um Diagnostik und das Üben individueller Fertigkeiten im Alltags- und Berufsleben. Trainiert werden Aktivitäten des täglichen Lebens. Außerdem werden Kompensationsmechanismen entwickelt. Übungen für Feinmotorik und Koordination gehören ebenfalls dazu. Mögliche Störwirkungen der anfallssuppressiven Medikation werden berücksichtigt. Gegebenenfalls erfolgt eine berufliche Belastungserprobung.

Physiotherapie und Sporttherapie

Physiotherapie und Sporttherapie unterstützen dabei, Beweglichkeit und Gleichgewicht zu verbessern. Außerdem gehören Ausdauertraining, Muskelaufbau und Beratung zu Epilepsie und Sport dazu. Weitere bestehende Erkrankungen können mitbehandelt werden.

Logopädie

Bei Beeinträchtigungen von Sprache, Sprechen, Stimme und Schlucken erfolgt eine gezielte logopädische Behandlung.

Ernährungsberatung

Die Ernährungsberatung informiert über die ketogene Diät. Außerdem werden Vitamin- und Mineralstoffversorgung beleuchtet und Begleitproblematiken beraten.

Sozialberatung

Die Sozialberatung klärt Fragen zu Beruf und Teilhabe, Schwerbehinderung beziehungsweise Grad der Behinderung, kurz GdB, sowie Führerschein- und Mobilitätsprobleme. Außerdem erhalten Betroffene Informationen zur stufenweisen beruflichen Wiedereingliederung und zur Erwerbsminderungsrente.

Patientenschulung

Die Patientenschulung vermittelt fundiertes Wissen zu einem strukturierten Lebensstil, um Anfällen vorzubeugen. Dazu gehören: Wissensvermittlung zur Erkrankung, zu Auslösern / Triggern, zum Notfallmanagement und zur Sicherheit im Alltag.